Erfolgreich dank Strategie und Technologie

Die Schweiz ist ein bedeutender Autozulieferer, mehr noch aber ein Technologielieferant. Exemplarisch dafür ist die Urma AG aus Rupperswil, die mit ihren Reibsystemen mittlerweile weltweit für perfekte Bohrungsergebnisse sorgt. Die Nachfrage nach ihren CircoTec RX-Reibahlen ist derart gross, dass ständig in weitere Produktionsanlagen investiert werden muss. Das Unternehmen platzt aus allen Nähten.

Wer die Urma AG in Rupperswil regelmässig besucht, erkennt schnell, dass sich die Produktion der Hochleistungsreibahlen «CircoTec RX» kontinuierlich erweitert. Zwei wesentliche Gründe sind hierfür mitverantwortlich:

  • Entwicklung und Produktion eines technologisch führenden Reibsystems.
  • Strategisch entscheidende Weichenstellungen für weltweiten Vertrieb.

Die Entwicklung der CircoTec RX-Reibsysteme wurde vor wenigen Jahren initialisiert. Doch Reibsysteme gibt es einige auf dem Markt und vor allem sind hier schwergewichtige Marktteilnehmer, die seit Jahren äusserst eng mit der Automobil-Industrie vernetzt sind. Die Urma AG verfügte bis vor wenigen Jahren nicht über diese engen Kontakte zur Automobilindustrie. Das lag nicht zuletzt daran, dass typische Werkzeuge für die Serienfertigung von Automobil-Produkten nicht im Portfolio des Werkzeugherstellers waren. Das änderte sich mit dem CircoTec-RX-Reibsystem.

Verblüffend einfach

Die Technologie dieser Reibahle ist verblüffend genial. Mittlerweile hat die Urma AG auch die wirtschaftliche Produktion und Logistik dieser Reibsysteme perfektioniert. Doch der zweite Aspekt, mit einem komplett neuen Reibsystem in die Automobilbranche zu stossen, ist alles andere als ein Kinderspiel. Denn hier sind Prozesssicherheit und Vertrauen in bekannte Systeme, seitens der Produktionsverantwortlichen in der Automobilindustrie, das Mass der Dinge. Zudem stehen hier Unternehmen als Mitbewerber zu Urma AG in Konkurrenz, die 4000 Mitarbeiter haben. Urma hat über 60 Mitarbeiter. Das ist die Geschichte von «David gegen Goliath» in Reinkultur und verläuft, zumindest was die Urma-Reibsysteme, angeht, in ganz ähnlicher Weise.

Kleiner Rückblick

Um zu erkennen, wie es zum Durchbruch kam, muss ein wenig ausgeholt werden. Ein Technologielieferant, wie die Urma AG, ist einer, der möglicherweise auch produziert, aber hauptsächlich dafür sorgt, dass der Fortschritt weitergeht. Zum Beispiel in der Formel 1, wo man an Hundertstelsekunden hobelt.

Die 1962 von Willy Berner gegründete Urma AG ist ein weltweit operierender Hersteller von modularen Werkzeugsystemen für die komplette Bohrungsbearbeitung mit einem Exportanteil von 85 bis 90 %. Mit der Übernahme durch Urs W. Berner wurde 1996 der Generationswechsel geräuscharm vollzogen. Zusammen mit den 1996 gegründeten Tochtergesellschaften in Deutschland, 2000 in Brasilien und 2003 in China sind in Entwicklung, Produktion und Vertrieb rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Hinzukommt ein Joint-Venture-Partner in den USA, wo Teile des Aargauer-Sortiments für den lokalen Markt produziert werden.

Zeit pro Bohrungsbearbeitung

Die Urma AG entwickelt sich zunehmend – dank der Reib-Werkzeuge – mit ihren Werkzeugsystemen zu einem bedeutenden Technologielieferanten der Autohersteller und der Motoren- sowie Getriebebauer. Auch für Bremszangen werden präziseste Bohrungen verlangt, die nur mit hochwertigsten Werkzeugen erreicht werden können.

Wenn eine schweizerische Unternehmung bestehen will, muss sie weiterdenken und entwickeln. Urs W. Berner nennt weltweit fünf Konkurrenten, mit denen er im Wettbewerb steht: einen Schweizer, zwei Deutsche, einen Franzosen und einen Italiener.

Reiben statt Feinbohren heisst eine Hochleistungstechnologie, mit der sich die Rupperswiler einen weltweit bekannten Namen geschaffen haben, und wo man u. a. bei der Fertigung des BMW Formel-1-Motors an vorderster Front im «Nanobereich» dabei war. 2000 kam es zu einem Rahmenvertrag mit BMW F1; sämtliche Bohrungen der Formel-1-Triebwerke wurden mit Urma-Werkzeugen gefertigt. Das ist, wie man weiss, leider bereits Geschichte.

Geblieben ist aber die von der Urma entwickelte Reibtechnik, welche inzwischen einen industrieweiten neuen Massstab an Hochleistung gesetzt hat und dafür sorgen dürfte, dass es weiter aufwärts geht.

Für die Autoindustrie generell ist nicht mehr bloss die Hochleistung beim Bohren/Reiben, sondern die Effizienz an sich der wesentliche Punkt, der Verschleiss der Werkzeuge beim Bearbeiten der Bohrungen und somit die Werkzeugkosten.

Formel 1-Wechsel der Reibschneiden

Deshalb die Idee des schnellen Wechselsystems der Werkzeuge, Urma CircoTec RX. Dank CircoTec RX, in Rupperswil entwickelt, fallen erheblich kürzere Auswechselzeiten der abgenutzten Reib-Werkzeuge, respektive Maschinenstillstandzeiten an, ein Quantensprung, weil Zeit bekanntlich Geld bedeutet. Mit den CircoTec-RX-Reibsystemen können gemäss Gilbert Zumsteg, Leiter Technik bei der Urma, die verschiedensten Materialien mit hohen Vorschüben bearbeitet werden, vor allem aber kann die Reibschneide minutenschnell gewechselt werden. Der entscheidende Punkt, um noch präzisere Bohrungen möglichst kostengünstig realisieren zu können, «weil die lästige Einstellerei passé ist». Bei CircoTec handelt es sich um eine Reibschneide, die in knapp einer Minute µm-genau gewechselt werden kann, ohne das Werkzeug aus der Maschinenspindel nehmen zu müssen. Möglich gemacht durch einen präzisen Innenkegel auf dem Schneidenträger.

Für die hoch spezialisierte schweizerische Industrie ausgedrückt: Ohne fortwährende Weiterentwicklung, welche z.B. für die Hochleistungsfertigung eines BMW X5 M/X6 M gefordert ist und später auf die Grossserie abstrahlt, wäre die Schweiz nicht überlebensfähig. Die neue BMW-M-Maschine für die grossen X5/X6-SUV erreicht eine Literleistung von 92,8 kW/L (126,2 PS/L). Immer präzisere Bohrungen, welche in immer kürzerer Zeit bearbeitet werden müssen, sind Teil des Überlebenselixiers Wachstum für die schweizerische Industrie.

Die Strategie

Strategisch hat die Geschäftsleitung der Urma AG auf Kooperationen mit international in der Automobilindustrie vernetzten Werkzeugherstellern gesetzt. Hier wurde in strategisch wichtigen Ländern wie Deutschland oder Japan Partner gefunden. In Deutschland ist es die Paul Horn GmbH in Tübingen, für die das Reiben eine perfekte Produktergänzung ist.

In Japan ist die Urma AG eine Kooperation mit dem japanischen Werkzeughersteller Sumitomo eingegangen, der ausgezeichnete Kontakte in die japanische Automobilindustrie hat. Seitdem Sumitomo die ersten RX-Reibsysteme in die japanische Automobilfertigung integrieren konnte, sprach sich deren Leistungsfähigkeit schnell herum. Die Nachfrage in Japan wuchs enorm und man sei überrascht, wie gut die Werkzeuge von den japanischen Produktionsleitern angenommen würden, so der Urma-Vize-Direktor René Näf gegenüber dem SMM sagte.

Halle platzt aus allen Nähten

Die grosse Nachfrage in Deutschland und Japan ist letztlich auch der Grund, warum bei Urma die Maschinen «heiss» laufen. Die Produktion kommt gerade noch nach, nicht zuletzt deshalb, weil kontinuierlich in neue Schleifzentren investiert wird, um die RX-Nachfrage zu befriedigen. Wenn das so weitergeht, und danach sieht es aus, platzen die Produktionshallen in Rupperswil bald aus allen Nähten.

Zum Originalbericht der Fachzeitschrift SMM