Reibwerkzeug pulverisiert Ausschussquote

Besondere Anforderungen erfordern häufig ein Umdenken, ein Verlassen des Altbewährten. Wenn damit die eigenen Erwartungen positiv übertroffen werden, scheint das ein Glücksfall zu sein. Dem Zufall wollte man beim Unternehmen Lindenmann nichts überlassen, denn bei einer neuen Generation von Pumpengehäusen musste das Werkzeugsystem gewechselt und damit höchste Präzision erreicht werden. Der Einsatz des Reibwerkzeugs CircoTec RX von Urma übertrifft mittlerweile allerdings die kühnsten Erwartungen.

ari. Die Präzision von Bohrungen definiert man beim Unternehmen Lindenmann in Blaustein über Form und Lage. Die Toleranzen hatte man bis dahin mit Ausspindelwerkzeugen fest im Griff. Als dann allerdings ein deutsches, international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen die Fertigung einer neuen Generation an Pumpengehäusen aus Sphäroguss GGG-40 vergab, wurden den Ausspindel-Werkzeugen bei der geforderten Oberflächengüte von Ra 0,8 die Grenzen aufgezeigt. Die Lösung konnte so nur ein Einsatz von Reibahlen sein.

Präzision und Wiederholgenauigkeit entscheidend

Die Prinzipien der namhaften Hersteller wurden auf den Prüfstand gestellt und in Langzeittests erprobt. In Sachen Präzision, also Form und Lage der Bohrung, gab es vergleichbare Ergebnisse, bei der Oberflächengüte dagegen trennte sich schnell die Spreu vom Weizen. Dass man sich dann für das Reibwerkzeug CircoTec RX von Urma entschied, hat nach Auskunft von Hartmut Hirner, Meister Arbeitsvorbereitung bei Lindenmann, allerdings noch weitere Gründe: «Wir haben Werkzeuge von allen namhaften deutschen Herstellern im Einsatz. In diesem Fall war es aber so, dass einige zu den Tests gar nicht erst angetreten sind, die anderen an der Präzisionshürde scheiterten. Ausschlaggebend für unsere Entscheidung, CircoTec RX einzusetzen war zwar zunächst, dass wir damit Ra 0,8 problemlos fertigen konnten, andererseits waren es aber auch die enorme Wiederholgenauigkeit und die einfache Handhabung. Um es salopp zu sagen, Scheibe runter – Scheibe drauf, hat uns beeindruckt. Konkret bedeutet das, ist eine Schneide stumpf, muss man bei vergleichbaren Werkzeugen Schrauben lösen, vermessen und wieder einstellen. Mit CircoTec RX ist das mit dem Lösen bzw. Anziehen von vier Schrauben erledigt. Das Werkzeug bleibt dabei auf der Maschine.» Das Eliminieren des Vermessens und Einstellens ist ein Vorteil, das Reduzieren möglicher Fehler der andere. So hat man in Blaustein mit dem Einsatz des Werkzeugs die Ausschussquote nahezu «pulverisiert». Möglich ist das, wie Christopher Gleichauf, Verkaufsleiter Urma Deutschland, beschreibt, durch spezifische Standards: «Das Reibwerkzeug CircoTec RX ist ein reines Standardwerkzeug, nur die Schneiden werden individuell auf die Kundenanforderungen ausgelegt. So sind H7-Toleranzen teilweise auf Lager. In diesem Fall war es P7, derartige Toleranzen hat nicht jeder. Und wir unterscheiden natürlich auch bei der Anschnittgeometrie und Beschichtung.»

3000 Bohrungen ohne Eingriff in den Prozess

Der Weg zur pulverisierten Ausschussquote war freilich von Langzeittests und zahlreichen neuen Erfahrungen gepflastert. Begonnen hat man mit einem Durchmesser für drei bis vier unterschiedliche Gehäusegrössen mit drei unterschiedlichen Lagerformen und einem Werkzeugdurchmesser von 57 mm. Schneiden, Anschnitte und verschiedene Beschichtungen wurden getestet und im Anschluss eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellt. Das Ergebnis hat die Verantwortlichen dann allerdings doch überrascht, weil man mit vielen Dingen nicht gerechnet hat. Hartmut Hirner war ohnehin skeptisch: «An den Reibahlen kann man ja nichts verstellen und muss so ohne die Möglichkeit des Verstellens mit den Ergebnissen leben, die das Werkzeug bringt. Wenn überhaupt kann man nur noch ein wenig Einfluss über die Schnittdaten nehmen. Es hat sich aber gezeigt, dass sich diese Bedenken nicht bewahrheitet haben. Im Gegenteil, die Effektivität hat uns beeindruckt. Das gilt auch für die Schnittgeschwindigkeit.» Mit dem CircoTec RX fährt man 220 m/min bei 0,25 mm pro Zahn. Nun sind in Blaustein die Passungen zwar nicht allzu lang und so spielt die Taktzeit eine eher untergeordnete Rolle. Im Gegensatz dazu hatte die Standzeit der Werkzeuge wegen der unterschiedlichen Gussqualitäten einen äusserst hohen Stellenwert. Mit den derzeit 3000 Bohrungen pro Werkzeug ist man aber mehr als zufrieden. 3000 Bohrungen, bei denen man nicht in den Prozess eingreifen muss. Kurzum, die Kosten-Nutzen-Rechnung hat ergeben: Das Urma-Reibwerkzeug CircoTec RX rechnet sich.

Zum Originalbericht der Fachzeitschrift SMM